Lieber Genosse Steinbrück,
ich habe gerade auf der Internetseite des „ Manager Magazin“, einen Bericht gesehen, der davon berichtet, dass Du die Kostenreduzierung und damit die Schließung der Callcenter der Deutschen Telekom begrüßt und unterstützt.
Vielleicht sollte man als sozialdemokratischer Minister, endlich Konzepte entwickeln, die nicht auf neoliberalen Ansätzen, á la McKinsey, beruhen?
Die Deutsche Telekom braucht langfristige Ziele und nicht den Austausch der Führungsriege im drei-Jahres-Rhythmus, da der Aktienkurs dem Finanzministerium und den Investoren nicht passt. Wie viele Umstrukturierungen wurden seit der Privatisierung vollzogen? Ich könnte sie nicht mehr alle aufzählen.
Des Weiteren ändert die Strukturierung nichts an der Tatsache, dass die Systeme nicht vernünftig funktionieren und in naher Zukunft nicht funktionieren werden.
Wenn man keine Ahnung hat, von dem Geschehen vor Ort, sollte man vielleicht mal in die Betriebe gehen und hören, was vor Ort verlangt und benötigt wird.
Außerdem zeigt die momentan „Affäre zur Datensicherheit“ welche Vorteile ein Beamtensystem hat, wo ein Großunternehmen nicht von Managern geleitet wird, die von Hegemonialstreben zerfressen sind. Die Aufgabe zur Erhaltung der Ethik innerhalb eines ehemaligen Staatsunternehmens solltest Du als Finanzminister zusammen mit Deinem Kollegen Bundesinnenminister Schäuble übernehmen. Stattdessen gibst Du den Managern, die von Prinzipien der freien und nicht der sozialen Marktwirtschaft überzeugt sind, ein Freifahrtsschein für ihr Tun.
Die Politik sollte endlich der Europäischen Regulierung den Riegel vorschieben, anstelle den Fakt zu akzeptieren, dass die Deutschen Ex-Monopolisten gegenüber anderen europäischen Staatsunternehmen benachteiligt werden. Wem gehört nochmal e-plus, HanseNet, und wer hat nochmal D2 vor einiger Zeit gekauft? Oder kann man Herrn Minister Glos wieder nach Bayern schicken und das Wirtschaftsministerium auflösen?
Ich wünsche mir ganz herzlich, dass Du vor den Wahlkämpfen nächstes Jahr in die Callcenter fährst und den vielen Sozialdemokraten erklärst, warum man eigentlich noch in dieser Partei sein soll und wieso man nicht Linksaußen wählen sollte. Ich kann den Kolleginnen und Kollegen in den Betrieben und den Menschen auf den Straßen das nicht mehr erklären.
Ich würde mich auch ganz herzlich freuen, wenn Du mir DEINE, ganz persönliche Definition von Sozialdemokratie erläuterst. Ich habe nämlich momentan eine politische Identitätskrise, da ich von Genossen wie Dir und dem Genossen Wiefelspütz umgeben bin, die von Anliegen, wie dem BKA-Gesetz, der Bahn-Privatisierung, der weiteren Rationalisierung in ehemaligen Staatsunternehmen und ähnlichem reden.
Ich freue mich auf eine persönliche und kritisch-konstruktive Antwort.
Mit solidarischen Grüßen,
Henning
Verfasst von henningej